Was ist Sicherheit der Zugehörigkeit?
Timothy R. Clark (Autor von 4 Stufen der Psychologischen Sicherheit) beschreibt sie so: Die Sicherheit der Inklusion resp. Zugehörigkeit bedeutet, dass Menschen aufgrund ihrer Würde akzeptiert werden, nicht aufgrund ihrer Leistung, ihres Status oder ihrer Fähigkeiten. Es geht um Respekt vor der Menschlichkeit des Einzelnen und um die Erlaubnis, Teil der Gemeinschaft zu sein – nicht nur geduldet, sondern wirklich willkommen.
Klingt selbstverständlich? Ist es aber nicht.
Clark erzählt von einer Erfahrung, die er als Stipendiat in Korea machte. Nach einigem Zögern setzte er sich zu zwei koreanischen Doktoranden an einen Tisch in der Cafeteria. Eine Studentin reichte ihm eine Schale Kimchi – ein einfacher Akt, aber für ihn der Beginn einer aussergewöhnlichen Erfahrung mit der Sicherheit der Inklusion. Diese Studierenden behandelten ihn nicht nur höflich, sondern nahmen ihn wirklich auf. Nicht wegen seiner Herkunft, seines Status oder seiner Fähigkeiten, sondern einfach, weil er ein Mensch war.
Inklusion ist nicht nur ein Ausdruck von Gastfreundschaft. Sie ist ein Akt des Willens, der aus dem Herzens kommt.
Warum ist diese Stufe so entscheidend?
Weil sie auf etwas basiert, das wir alle von Geburt an in uns tragen: das Bedürfnis nach Zugehörigkeit. Kinder schliessen natürlicherweise ein – im Kindergarten, auf dem Spielplatz. Doch im Erwachsenenalter schliessen wir oft auf unnatürliche Weise aus. Wir bilden Gruppen, ziehen Grenzen, beurteilen nach Äusserlichkeiten.
Clark formuliert es klar: „Vielfalt ist eine Tatsache. Inklusion ist eine Entscheidung. Aber nicht irgendeine Entscheidung.“
Zugehörigkeit kann nicht per Gesetz verordnet, reguliert oder trainiert werden. Sie ist ein Akt des Willens und sie erfordert, dass wir Menschen wie Menschen behandeln. Nicht nach Rang, Geschlecht, Rasse, Aussehen, Intelligenz, Bildung, Glauben, Werten, Politik, Gewohnheiten, Traditionen, Sprache oder Geschichte.
Bei der Sicherheit der Inklusion geht es nicht um einen bestimmten Wert. Es geht darum, Menschen wie Menschen zu behandeln.
Die Gefahr der Ausgrenzung
Wenn wir die Sicherheit der Inklusion zurückhalten, führen wir einen Kampf mit unserer eigenen vorsätzlichen Blindheit. Wir erzählen uns Geschichten über unsere Besonderheit und Überlegenheit. Und wenn es sich um einen schweren Fall von narzisstischer Überlegenheit handelt, wird es gefährlich, nicht nur für Einzelne, sondern für ganze Organisationen.
Clark stellt eine unbequeme Frage: „Behandeln Sie Menschen, die Sie als Personen mit niedrigerem Status betrachten, anders als Personen mit höherem Status? Wenn ja, warum?“
Die Antwort darauf zeigt, ob wir Inklusion wirklich verstanden haben oder ob wir sie nur predigen.
Wie schaffen wir Sicherheit der Zugehörigkeit?
Zwei Dinge müssen zusammenkommen: Respekt und Erlaubnis.
- Respekt für die Menschlichkeit des Einzelnen.
- Erlaubnis, wirklich dazuzugehören und mit anderen auf Augenhöhe zu interagieren.
Der soziale Austausch ist ein Tauschgeschäft: Wir gewähren jedem Menschen die Sicherheit der Inklusion, vorausgesetzt, es geht keine Bedrohung von ihm aus. Das ist die einzige Gegenleistung.
Clark fasst es in einem Satz zusammen: „Anstatt Sicherheit der Inklusion auf der Grundlage des Menschseins zu gewähren, neigen wir dazu, den Wert einer anderen Person anhand von Merkmalen wie Aussehen, sozialem Status oder materiellem Besitz zu beurteilen – obwohl diese Merkmale nichts mit der Menschenwürde zu tun haben.“
Fragen für deine Reflexion:
- Wie erkennst du kulturelle Unterschiede in deinem Team an und zeigst Sensibilität und Wertschätzung dafür?
- Fühlen sich andere Menschen dir gegenüber überlegen? Wenn ja, warum?
- Bei welcher Person oder Gruppe fällt es dir schwer, sie einzubeziehen, auch wenn sie dir keinen wirklichen Schaden zufügt? Warum?
- Welche bewussten Vorurteile hast du? Frag einen vertrauenswürdigen Freund, wo du möglicherweise unbewusste Vorurteile hast. Und schliesslich: Wo wendest du weiche Formen der Ausgrenzung an, um Barrieren aufrechtzuerhalten?
Unser Impuls an dich:
Zugehörigkeit lernt man, wenn man Zugehörigkeit praktiziert. Erst das Verhalten, dann die Überzeugung.
Kein Mensch, der in einem Gefängnis von Vorurteilen lebt, kann wirklich glücklich oder frei sein.